Was haben wir auf der E3 2010 nicht gestaunt, als die ersten Stückchen eines Zaubererspiels, das den Move Controller von PlayStation nutzt, über die Leinwand und auf unseren Bildschirmen flimmerte. Doch es war nicht Harry Potter; Sorcery nannte sich dieser magische Spaß und versprach viel. Bewegungstreue Animationen, kombinierbare Zaubersprüche und -Tränke, lustige Elemente und – vorallem – eine gelungene Anwendung des damals noch brandneuen Move-Controllers. Dann jedoch lange Zeit Stille und nun ein relativ unspektakulärer Release, was war passiert? Was die Santa Monica Studios und The Workshop letztendlich für ein Hexenwerk vollbrachten, lest ihr hier in unseren Review.

Kinder, aufgepasst.
Sorcery zeigt gleich von Anfang an, in welche Richtung es geht. Der Junge Finn ist beim Zauberer Dash eines kleinen Dorfes zur Zeit des Mittelalters in der Lehre, denn auch er möchte einmal so weise und mächtig sein wie er. Die sprechende Katze Erline reitet dabei auf Finns mangelhaften Zauberkünsten herum, was ihn nur mehr antreibt, einen Zauberstab aus des Zauberers Büro zu steheln. Etwas unbeholfen bekommen wir hierbei die Basics beigebracht und erfahren so, dass wir mit unserem Move Controller, den wir in der einen und einen Navigation-Controller bzw. SIXAXIS / DUALSHOCK3 in der anderen halten, einfach nur entsprechen der gewünschten Richtung fuchteln müssen, um einen arkanen Zauber zu beschwören, der sich lediglich in einer Energiekugel äußert. Damit wie wild herumfeuernd begeben wir uns auf die Suche nach Grabstaub, den wir für einige Zaubertränke benötigen – und das Abenteuer beginnt. Finn stolpert durch verschiedene Portale in Welten, von denen Erline strikt abrät, doch deren Wächter (zunächst Untote) ihn nicht davon abhalten, seinem jugendlichen Leichtsinn zu folgen. Schnell merken wir jedoch, dass mit der Anderswelt etwas nicht stimmt, nämlich dort, wo wir zurück in unsere kehren, einen Eistroll im Dorf treffen und eine Menge Schrecken erledigen müssen. Schließlich entpuppt sich Erline als Elfenprinzessin, deren Mutter als dunkle Herrscherin ihre Tochter für das Böse gewinnen und die Elfenwelt so versklaven will. Der Junge Zauberer sieht hier zunächst seine Chance, als Held aus der Sache hervorzugehen, jedoch beziehen sich seine Motive bald auch auf gemeinschaftliche Interessen.
Muskelkater inklusive
Da die Figur aus dem Daumen gesteuert wird und die Interaktionen mit dem ganzen Arm ausgeführt werden stehlt sich schnell Erschöpfung ein. Zeit ein paar Zaubertränke zu mixen. Doch falsch gedacht: Die netten Interaktionsidee pflanzen sich auch hier fort. So mahlen wir Pilze und Trauben, streuen Schwefel wie aus einer Salzdose und schütten unsere Lieder singend Flüssigkeiten in den Topf, am Ende noch gut umgerührt, drei mal schwarzer Kater und schon hat man 50% mehr Lebensenergie oder ähnliches, wobei auch ein paar lustige Effekte nicht ausbleiben. Die Zutaten dazu findet man in versteckten Schatztruhen oder bekommt man beim omnipräsenten Zwergenhändler, nicht immer zu ganz fairen Preisen.
Wie dann trinken? Na klar, Schütteln, und dann runter damit! So funktioniert das übrigens auch mit dem Verwandlungstrank, wie auf der E3 damals vorgeführt. Leider können wir den – im Gegensatz zu allen anderen Tränken – nicht immer brauen. Gescriptete oder halb-gescriptete Stellen in der Story erlauben es meistens für eine nur kurze Passage Ratte zu spielen. Einmal werden wir auch ein Vogel, jedoch können wir diesen Spaß nur als Zuschauer genießen und besondere Move-Features treten hier auch nicht auf. Da ist man durch das Schlüssel-Ins-Schloss-Stecken, Zaubertrank-Mixen, Reparieren und Zaubern schon ziemlich verwöhnt, aber das war es dann auch größtenteils mit den interaktiven Möglichkeiten. Die Auswahl der verschiedenen Zaubersprüche, die man im Laufe des Spiels lernt funktioniert über einen Druck auf die Move-Taste und dann mit einer entsprechenden Gestik. Dass die Zauber untereinander kombinierbar sind, gehörte damals zu den größten Punkten. Was ist davon übrig? Tja, wir können den Sturm mit Feuer kreuzen und mit dem Eis-Zauber Wasserfälle gefrieren lassen, genau wie in der Demo! Doch mehr ist es nicht, wir können nicht einmal stinknormale Pfützen verhexen geschweige denn unserer Kreativität freien Lauf lassen, doch dies soll nicht die letzte Stelle sein, wo das so ist.
Dunkle Magie…
…scheint ins Spiel zu kommen, vergleicht man den Stand von heute mit dem Stand aus der Live-Demo. Die Story spielt sich strikt linear runter, Stellen zum Lachen gibt es wenige und das meiste, was man damals zu sehen bekam, hat sich unverändert bis heute gehalten oder wurde entfernt. Doch was hier am meisten ins Auge sticht, ist die Grafik – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Keine schönen Schatteneffekte wie im Trailer. Keine schönen Panoramen (das höchste der Gefühle ist der Blick über eine Bitmap als Polygon-Dorf verkleidet). Keine effektvollen Zauber die Zuschauer und Gegner gleichermaßen erstarren lassen. Stattdessen matschige Texturen, langweilige Außenlevel mit sich immer wieder wiederholenden Strukturen und Anordnungen und vorallem Gegnertypen, die sich an einer Hand abzählen lassen und ebenfalls immer gleiche Labyrinthe die eine Prise mehr Detailfreudigkeit hätten vertragen können. Auch die Atmosphäre, verglichen mit der Demo, hat stark abgenommen und schafft es, betrachtet man das Spiel ohne Voreindrücke, auch nicht, den Spieler sonderlich in den Bann zu ziehen.
FAZIT
Sorcery enttäuscht – leider. Die Erwartungen waren groß, zumal der Move-Controller einen wirklichen Vorreiter hätte gebrauchen können, auch, weil die Live-Demo bei allen Journalisten bleibende Eindrücke hinterlassen hat und so die Spannung schürte. Niedliche Details blieben erhalten, nach dem das Projekt fast im Budget-Dschungel versunken ist, jedoch kassierte der Titel ein komplettes Makeover, was ihm in allen Belangen verschlechterte. Die geringe Spieldauer, der nicht vorhandene Multiplayer und die gegen Null tendierende Lust, den Titel nach besiegen des unverhältnismäßig schweren Edngegners noch einmal anzufassen degradieren Sorcery zu einem lustigen Move-Titel, der Kinder sicher erfreut, aber der das Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich überspannt.
7/10





















